Schärfere Fotos: 10 Tipps für optimale Stabilität eines Dreibein-Stativs

Ob Nah- oder Langzeit-Nachtaufnahmen, Fotoserien für Panoramabilder, HDR und Focus-Stacking – ein Stativ erweitert die Möglichkeiten der Fotografie beträchtlich. Wenn dann doch manche Aufnahmen Verwacklungs-Unschärfen und Software-Berechnungen für Aufnahmeserien Fehler aufweisen, können die Ursachen auch bei Handhabung des Stativs liegen.

10 Tipps für optimale Stabilität eines Dreibein-Stativs

1 Alle Schrauben am Stativ festziehen

8mm Stecknuss zum Stativ-Klemmschrauben anziehen - Tipps optimale Stabilität Dreibein Stativ für schärfere Fotos
Stecknuss (8mm) zum Justieren der Klemmschrauben am Stativ

Nur feste Verbindungen können einem Stativ zu genügend Stabilität verhelfen. Speziell die Verschraubungen der Beinklemmen sollten regelmäßig nachjustiert werden. Dazu öffnest du jede einzelne Klemme, dann lässt sich die Schraubenmutter des Klemmhebels mit geringem Kraftaufwand zudrehen. Für diese Schraubenmutter benötigt man meist einen dünnen 8mm Steckschlüssel (oder eine entsprechende Stecknuss). Der Klemmhebel soll sich dann aber immer noch ohne übermäßigen Druck schließen lassen. Prüfe abschließend, ob das verriegelte Teleskop-Bein wirklich fest hält. Manches Mal genügt schon ein starker Temperaturwechsel, der an diesen Verschraubungen ein Nachjustieren notwendig macht. Beim Nachziehen der Schrauben sollst du aber auf jeden Fall mit Bedacht und Gefühl arbeiten. Zu starker Krafteinsatz ist speziell bei Alustativen gefährlich, weil leicht Rohre verformt und Schrauben überdreht werden können.

2 Vermeide den Auszug der Mittelsäule

Beim Stativ die Mittelsäule möglichst nicht ausfahren -Schärfere Fotos: 10 Tipps für optimale Stabilität eines Dreibein-Stativs

Benötigt man beim Aufbau des Stativs eine etwas größere Höhe, so wäre natürlich das Ausfahren der Mittelsäule wesentlich schneller und bequemer, als alle drei Stativbeine zu verlängern. Aber gerade die ausgefahrene Mittelsäule verwandelt selbst teure Stative in einen Wackelpudding. Die Führung der Mittelsäule ist bei den meisten Stativen einfach zu schmal, um genügend Stabilität für das einzelne Rohr zu bieten. Da hilft selbst kräftiges Zuschrauben der Mittelsäulen-Arretierung nicht viel. Also besser die Stativ-Beine verlängern und die Mittelsäule ganz eingefahren lassen.

3 Teleskop-Beine am besten gar nicht ausfahren

Teleskop-Beine am besten gar nicht ausfahren-Schärfere Fotos: 10 Tipps für optimale Stabilität eines Dreibein-Stativs
Teleskop-Beine am besten gar nicht ausfahren

Je kürzer das Stativ, umso stabiler ist es. Wenn es die Aufnahme-Situation erlaubt, lasse die Teleskop-Beine eingefahren und geh notfalls für die Einstellungen an der Kamera in die Hocke. Trotzdem sollen natürlich alle Bein-Klemmen fest geschlossen sein. Falls sich bei deinem Stativ der Anstellwinkel der Beine ändern lässt, kannst du bei der kurzen Stativhöhe zusätzlich einen flacheren Winkel (aber maximal 45 Grad) wählen, um die von den Stativ-Beinen gebildete Standfläche zu vergrößern.

4 Zuerst die oberen dickeren Beine ausfahren

Zuerst die oberen, dicken (Telesko- Stativ-Beine ausfahren ) - Schärfere Fotos: 10 Tipps für optimale Stabilität eines Dreibein-Stativs
Zuerst die oberen, dicken (Telesko- Stativ-Beine ausfahren )

Benötigst du für deine Aufnahmen eine größere Stativhöhe, dann fahre zuerst immer die oberen, dickeren Rohre aus. Je dünner die (Teil-)Beine, umso instabiler sind sie.

5 Das Stativ immer gerade ausrichten

Das Stativ immer gerade ausrichten - Schärfere Fotos: 10 Tipps für optimale Stabilität eines Dreibein-Stativs
Das Stativ immer gerade ausrichten

Auf unebenem Gelände verwendest du am besten die in manchen Stativen eingebaute Wasserwaage oder besorgst dir eine auf dem Blitzschuh aufsteckbare Nivellierhilfe, um das Stativ wirklich gerade auszurichten. Was für Panoramaaufnahmen notwendig ist, hilft auch bei anderen Stativaufnahmen für mehr Stabilität, weil sich dann das Gewicht auf alle drei Beine gleichmäßig verteilt.

6 Zusätzliches Gewicht im Zentrum schafft mehr Stabilität

Eine Hantelscheibe, ein 6er-Pack mit vollen Wasserflaschen oder die Kameratasche mit der restlichen Ausrüstung – es gibt viele „Beschwerungsmöglichkeiten“, die zusätzlich dein Stativ stabilisieren. Bei einer einfachen Mittelsäule kannst du zur Befestigung des zusätzlichen Gewichts ein kleines Loch bohren, in das du dann bei Bedarf einen Metallhaken einhängst. Sonst dienen auch Riemen oder kräftige Schnüre um die Mittelsäule verknotet zur Befestigung von Zusatzgewichten.

7 Auf einen festen und ruhigen Untergrund achten

Nicht jeder Untergrund ist wirklich stabil. Fußböden und Stiegen in Häusern schwingen, wenn man darauf geht, weshalb man sich bei der Aufnahme nicht bewegen soll. Brücken und sogar Straßenteile können sich im Zentimeterbereich bewegen, wenn schwere Lastwagen, Straßenbahn oder Zug vorbeifahren. Wenn es die Aufnahmesituation zulässt, kannst du dort vorausschauend auf einen ruhigen Auslösemoment abwarten.

8 Starker Wind

Bei viel Wind am Aufnahmeort ist es meist am besten, die Fotoarbeiten für scharfe Bilder lieber auf einen windstillen Tag zu verschieben. Speziell auf Aussichtstürmen, die sich meist sehr gut für Panoramaaufnahmen eignen, herrschen oft widrigste Windverhältnisse, die mitunter sogar den Turm leicht schwanken lassen. Alternativ kannst du dich nach einem windgeschützten Platz umsehen, was aber speziell im verbauten Gebieten schwierig ist, weil dort die Winde wegen der zahlreichen Verwirbelungen oft die Richtung wechseln.

9 Fernauslöser oder Selbstauslöser verwenden

Fernauslöser verwenden - Schärfere Fotos: 10 Tipps für optimale Stabilität eines Dreibein-Stativs
Fernauslöser verwenden

Alle Bemühungen um ein stabiles Stativ sind erfolglos, wenn du direkt den Auslöser auf der Kamera betätigst. Die dabei entstehenden Vibrationen verhindern wirklich scharfe Fotos. Bei zeitunkritischen Aufnahmen genügt der Selbstauslöser, eine Fernauslösung benötigt entsprechendes Zubehör. Wichtig ist auch, dass du bei der Auslösung und während der Belichtung ruhig stehen bleibst. Deine unbedachten Schritte können schließlich auch Vibrationen erzeugen, die sich durch das Stativ auf die Kamera übertragen. Auf jeden Fall verhinderst du dadurch ein unabsichtliches Anstoßen am Stativ während der Belichtung.

10 Einstellungen an der Kamera

Für das letzte Quäntchen Schärfe sorgen spezielle Einstellungen an der Kamera:

  1. Spiegelvorauslösung aktivieren: Der Spiegelschlag bei der Auslösung verursacht trotz Dämpfungsmaßnahmen der Kamerahersteller leichte Vibrationen im Gehäuse – eine mögliche Ursache für leichte Unschärfe in den Aufnahmen. Warte mindestens zwei Sekunden nach der Spiegelvorauslösung, bis du zur Belichtung ein zweites Mal auf den Fernauslöser drückst. Alternativ kannst du bei vielen Kameras durch die Aktivierung der LiveView überhaupt verhindern, dass der Spiegel zwischen den Aufnahmen in seine Ruhestellung zurückschwingt. Leider erhöht sich dadurch der Batterieverbrauch der Kamera beträchtlich.
  2. Bildstabilisator abschalten: Manche Systeme sind bei ruhiger Kamera trotzdem leicht in Bewegung und können auch durch plötzliche Lichtwechsel (Blitz) irritiert werden.

Fazit

Wenn auch Adobe seit dem letzten Photoshop-Update mit einem Werkzeug zur Korrektur von Bewegungsunschärfe aufwartet – eine perfekte Schärfe bei der Aufnahme wird trotzdem durch keine Software zu ersetzen sein. Und dazu hilft kaum ein Mittel so gut wie ein stabiles Stativ.

Wie fotografiert man: Silvester-Feuerwerke

Silvester Feuerwerk Fotografieren
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  • Blende
  • Zeit
  • ISO
  • Brennweite
  • f / 16
  • 20 s
  • 100
  • 100 mm
  • [Canon EOS 5D]
  • [Sigma 100-300]
  • [Manfrotto 055XPROB]
  • [Fernauslöser Canon RS-80N3]

Feuerwerke sind dankbare Fotomotive, die je nach Aufnahmetechnik Momente festhalten, welche mit freiem Auge so nicht erfasst werden können. Speziell bei Langzeitbelichtungen zaubern die Leuchtspuren großartige abstrakte Gebilde in den nächtlichen Himmel, die für faszinierende Fotos mit fröhlicher Stimmung sorgen.

Die bunten Blitze tauchen Stadtpanoramen, Gebäude und Parks in ein außergewöhnliches Licht, das eine Aufnahme zusätzlich bereichern kann. Und weil zu Silvester unzählige Feuerwerkskörper an vielen Plätzen abgeschossen werden, kann man unter zahlreichen Standpunkten wählen, um eine geeignete Kulisse für Fotos mit Feuerwerken zu finden. Somit ist der Jahreswechsel eine ideale Gelegenheit, mit guter Vorbereitung und etwas Glück begeisternde Aufnahmen mit Feuerwerken in ihrer vollen Pracht zu erhalten.

Silvester Feuerwerk Fotografieren
silvester-feuerwerk-new-years-eve-fireworks-photo-foto1-rawsilvester-feuerwerk-new-years-eve-fireworks-photo-foto1-histogram

  • Blende
  • Zeit
  • ISO
  • Brennweite
  • f / 16
  • 20 s
  • 100
  • 100 mm
  • [Canon EOS 5D]
  • [Sigma 100-300]
  • [Manfrotto 055XPROB]
  • [Fernauslöser Canon RS-80N3]

Foto-Ausrüstung

  • Kamera mit langen Verschlusszeiten (mindestens 10 Sekunden) oder „Bulb“.
  • Objektiv: Brennweite je nach Entfernung zu den Feuerwerken von Weitwinkel bis Telebereich. Jedenfalls sollte ein großer Teil des Nachthimmels erfasst werden.
  • Dreibein-Stativ (eine Übersicht bei Amazonstat)
  • Kabel- oder Funkauslöser
  • Taschenlampe
  • Warme Kleidung

Aufnahme-Standort

  • Freie Sicht in den Himmel.
  • Keine Beleuchtungskörper in unmittelbarer Nähe.
  • Menschenansammlungen können störend sein, lassen sich aber bei einem erhöhten Standort gut ins Foto einbinden.

Deinen Aufnahme-Standort solltest du schon Tage vor Silvester gefunden haben, ein paar Nacht-Probeschüsse ermöglichen eine gute Beurteilung der Location. Bedenke allerdings, dass an guten Aussichtsplätzen zu Silvester viele Hobby-Feuerwerker auftauchen können, die dann deine Aufnahmen stören können.

Eine Viertelstunde vor Mitternacht solltest du schon auf deinem Standort sein und nochmals einige Probeschüsse am Kamera-Display begutachten. Dies dient in erster Linie zur optimalen Belichtungseinstellung. Gut belichtet sollten die Fotos auch die Landschaft und Häuser zeigen – Feuerwerke am schwarzen Nachthimmel schafft jeder. Erst durch die Einbeziehung von Häusern, Bäumen, Brücken wird die enorme Größe von Feuerwerken wirkungsvoll dargestellt.

Das i-Tüpfelchen bilden dann Reflexionen der Feuerwerke an Glasfronten, nassen Straßen und natürlich an jeder Art von Gewässern. Dazu positioniert man die Kamera möglichst tief, um den Raumeindruck zu verstärken.

Silvester Feuerwerk fotografieren
silvester-feuerwerk-new-years-eve-fireworks-photo-foto2-rawsilvester-feuerwerk-new-years-eve-fireworks-photo-foto2-histogramm

  • Blende
  • Zeit
  • ISO
  • Brennweite
  • f / 13
  • 6 s
  • 100
  • 100 mm
  • [Canon EOS 5D]
  • [Sigma 100-300]
  • [Manfrotto 055XPROB]
  • [Fernauslöser Canon RS-80N3]

Kamera-Einstellungen

  • Blende: Speziell bei Großfeuerwerken ist eine kleine Blende von f/11 bis f/22 empfehlenswert, weil sonst die hellen Feuerwerk-Blitze überbelichtet werden und so ihre Farben verblassen. Die Blende entscheidet, wie hell das Feuerwerk am Foto erscheint.
  • Verschlusszeit: Entscheidend, wie hell beleuchtete Gebäude abgebildet werden. Sie lässt sich schon gut mit Probeaufnahmen vor den ersten Feuerwerken ermitteln.
  • ISO-Wert: So klein wie möglich (meist 100), weil bei höheren Empfindlichkeiten in den dunklen Bereichen des Himmels schnell ein Rauschen sichtbar werden kann.
  • Autofokus ausschalten und bei nahen Objekten ein Weitwinkelobjektiv mit kleiner Blende verwenden. Die Feuerwerke benötigen meist den Fokus auf „Unendlich“.
  • Auf den Weißabgleich kann man getrost verzichten, er wird nie exakt zu bestimmen sein. Nur im RAW-Format aufgenommene Fotos lassen sich manuell bei der Entwicklung entsprechend dem eigenen Geschmack korrigieren.
  • Bildstabilisator ausschalten, er kann durch die schnellen Raketen irritiert werden. Generell funktionieren manche Systeme zum Schutz vor Verwacklungen bei der Verwendung eines Stativs nicht richtig.

Tipps

  • Lange Belichtungszeiten benötigen viel Akkuleistung. Daher auf geladene Akkus achten und bei Kälte möglichst lange getrennt am Körper tragen – Akkus verlieren bei Minusgraden schnell ihre Leistung.
  • In der Dunkelheit wirkt das Kamera-Display sehr hell, daher hält man unterbelichtete Fotos für ausreichend belichtet. Zur Sicherheit checkst du am besten zusätzlich das Histogramm.

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